Bilder und Geschichten aus dem Ruhrgebiet
Die Kathedralen der Arbeit sind längst verschwunden oder dienen heute anderen Zwecken. So stehen heute viele Fördertürme, Fabrikhallen und Gasometer inmitten von Freizeitanlagen und Gewerbeparks und erinnern an eine jahrhundertelange Tradition. Die Zeit der Pütts, der Bergleute ist in der Region zwischen Ruhr und Lippe fast vorbei. Nur noch wenige Zechen fördern gegenwärtig noch das Schwarze Gold, von dem einst der Wohlstand eines ganzen Landes abhing. Nur Halden, die heute als Landschaftsbauwerke bezeichnet werden, machen noch irgendwie deutlich: hier wurde einst nach Kohle gegraben. Es wird nur noch wenige Jahre dauern, bis diese Relikte der Bergbaus unter einem dichten Mantel aus Sträuchern, Wäldern und Heide verschwunden sind. Die ehemaligen Halden werden heute aber vielfältig genutzt. Sie dienen vor allem als Grünzüge der Naherholung und sind als außergewöhnliche Landmarken in Bottrop, Gelsenkirchen, Herten und Essen den Besucherströmen bekannt.
Der Wandel von einer stark kohleabhängigen Region zu einer sehr freizeitbetonten Gesellschaft kann man am besten an Fotos erkennen, die ich in Gelsenkirchen schoss. Zwischen den beiden Aufnahmen liegt ein Zeitraum von über 30 Jahren. Etwa 1974 brannte ein Kohlenlager im Bereich der damals noch fördernden Schachtanlage Nordstern. 33 Jahre später schoss ich während einer Radtour auf der jetzt historischen Erzbahn-/Zollverein-/Nordsternroute ein Foto in der Horster Grünanlage. Dort befanden sich einst hohe, schwarze Berge. Nun blüht und grünt es dort prächtig und das Gelände ist der Allgemeinheit zugänglich.
Seit 1970 bin ich als Berichterstatter zwischen Mülheim und Castrop-Rauxel in der Emscherzone unterwegs. Etliche zehntausend SW-Negative warten nun darauf, eingescannt zu werden, denn in meiner umfangreichen Sammlung schlummern noch etliche, inzwischen historische Schätze. Wenn ich mich heute an einige dieser Ereignisse erinnere, kommt manchmal Wehmut auf. Vor allem an meine dreijährige Tätigkeit in Gelsenkirchen hat Spuren hinterlassen. In dieser Zeit lernte ich unter anderem die Fußball-Legenden Szepan, Kuzorra, Klodt, Libuda und Abramzcik kennen. Ich war dabei, als Schalke das letzte Spiel in der traditionsreichen Glückauf-Kampfbahn absolvierte, als das Parkstadion eröffnet wurde und als sich die Königsblauen sich mit den Bayern aus München ein sehr torreiches Match lieferten.
Mein privater Lebensweg führte mich einst von Oberhausen nach Herne. Doch ich bin immer ein Kind des Reviers geblieben. Die Geschichte des Reviers hat mich schon immer fasziniert. Nach 47 Berufsjahren finde ich nun die Zeit und Muse, mich näher mit Region entlang der Emscher zu befassen. So habe ich mittllerweile zwei Bücher zu dem Thema geschrieben. Weitere könnten in den nächsten Jahren folgen, denn Material ist genug in meinem Archiv vorhanden. Ich denke da unter anderem Geschichten aus Oberhausen, Gelsenkirchen und dem „Dorf Kirchhellen“. Ideen, die es gilt, umgesetzt zu werden.